Die Kirche St. Barbara im Wandel der Zeit
(ein nur kleiner Einblick in die wechselvolle Geschichte des Rescheider Gotteshauses)
Für Rescheid zu groß und zu teuer! Man solle sie doch kleiner bauen, ohne Turm und Gewölbe, so zunächst die Meinung der königlich-preußischen Regierung zum Bau einer neuen Pfarrkirche in Rescheid. Zu guter Letzt aber wurde sie nach den Plänen der Regierung im neugotischen Stil erbaut.

„Es waren Gnadentage für Rescheid“, schwärmt die Pfarrchronik von der Weihe der neuen Kirche am 9. Juli 1890, nach fast vierzigjähriger Planungs- und Bauzeit. Die feierliche Einsegung durch den Kölner Erzbischof Philippus Kardinal Krementz dauerte fünf Stunden! Am Vorabend hatte es ein Höhenfeuerwerk gegeben.
Der Neubau ersetzte die schon 1627 erwähnte Barbara-Kapelle, die 1781 deutlich erweitert worden war. Sie wurde mit der Pfarrerhebung 1803 zur Pfarrkirche. 1808 stürzte ihr Glockenturm im Sturm um. Er konnte nur durch Spenden aus der gesamten Region erneuert werden.
Die Bausubstanz der alten Kirche befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Zudem erwies sich die Kirche insbesondere wegen des florierenden Bergbaus als viel zu klein. Der Neubau wäre ohne die Unterstützung des Staates gar nicht möglich gewesen.


Die Kirche, in der seit 1911 Reliquien der Hl. Barbara und des Hl. Nikolaus aufbewahrt werden, wurde zu einem beliebten Postkartenmotiv.

Weil der Kirchturm weit über die Eifelhöhen zu sehen war, drohte ihm beim Vorrücken der Alliierten im Herbst 1944 das gleiche Schicksal wie vielen Kirchtürmen entlang des Westwalls. Eine Sprengung des Kirchturms durch die Wehrmacht konnte jedoch verhindert werden.
„31.I. Amerikaner in Losheimergraben. Nun schütze Gott uns und die Heimat!
Wir ziehen in den Keller.
1.II. Volltreffer in das Haus Gritten kostet drei Schwerverletzte. Sie liegen im kleinen Zimmer des Pfarrhauses und bluten, daß es in den Keller durchläuft.
2.II. Alles bleibt stehen und liegen. Vor dem Pfarrhaus gibt es zwei Verwundete beim Abmarsch. Der Giebel der Kirche und das halbe Dach werden vernichtet. Unser schönes trautes Kirchlein sinkt dahin!“
Pfarrer Johannes Meurer (†) 1945
Als Rescheid gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erneut unter Beschuss geriet, wurde der Kirchturm nur beschädigt, die Kirche allerdings zerstört.


Der Wiederaufbau nach den Plänen des Aachener Architekten Peter Hensen in den Jahren 1948/49 verlangte von der Bevölkerung großen Einsatz. Die Kirche wurde größer und architektonisch auffälliger, erreichte aber nicht mehr ihre frühere Formschönheit.

„Es gehörte ein großer Mut dazu, überhaupt anzufangen, noch mehr Kraft erforderte das Durchhalten, nachdem entsetzlicher Wildschaden und eine nie gesehene Mäuseplage uns auch noch um einen großen Teil der Ernte von 1945 brachte…“
Pfarrer Johannes Meurer (†) rückblickend 1951



1898 hatte die Rescheider Kirche mit vier Bronzeglocken eines der schönsten Geläute in der Region erhalten. Drei der Glocken mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden und wurden 1927 ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg mussten alle vier Glocken zu Kriegszwecken abgegeben werden. Nur die Barbara-Glocke aus dem Guss von 1898 (665 kg, Ton gis) wurde nicht eingeschmolzen und kehrte wie schon nach dem Ersten Weltkrieg als einzige der abgegebenen Glocken nach Rescheid zurück. Die anderen Glocken wurden 1958 durch die Muttergottes-Glocke (1000 kg, Ton f), die Cäcilien-Glocke (400 kg, Ton b) und die Antonius-Glocke (300 kg, Ton c) ersetzt.
Mit der Auflösung der Pfarre Rescheid zum 31.12.2026 verliert die Rescheider Kirche ihren Rang als Pfarrkirche. Den Kirchentitel und den Patronatsnamen „Sankt Barbara“ behält sie, und ihre spannende Geschichte geht weiter!
Lust auf mehr Historisches? Die Geschichte des Rescheider Ehrenmals findest Du hier:
